
In unserer Serie über das neu aufgestellte Präsidium des Bayerischen Seglerverbands geht es weiter mit Konstantin Knorr. Als Vizepräsident Jugend und Landesjugendobmann vertritt er eine Generation, die im BSV nach mehreren Jahren wieder eine eigene gewählte Stimme hat. Gemeinsam mit den Jugendsprechern Marlene Neef und Moritz Aigner soll er die Interessen junger Seglerinnen und Segler stärker in die Verbandsarbeit einbringen.
Konstantin kennt die Jugendarbeit nicht nur aus Verbandssitzungen. Er kommt aus dem Yachtclub Weiden, war dort selbst Jugendsprecher und ist im 420er Regatten gesegelt. Heute vertritt er Bayern zudem im Jugendsegelausschuss des Deutschen Segler-Verbands.
Wie erreicht ein Verband junge Seglerinnen und Segler tatsächlich? Was brauchen Jugendliche von ihren Vereinen – und wo müssen Erwachsene vielleicht auch einmal Platz machen? Darüber wollen wir mit ihm sprechen.
Konstantin, du kennst die Jugendarbeit nicht nur aus dem BSV, sondern warst selbst Jugendsprecher im Yachtclub Weiden. Wo beginnt deine eigene Segelgeschichte – und wie bist du vom Jugendlichen im Verein schließlich zum Vizepräsidenten Jugend des BSV gekommen?
Mein Seglerleben begann durch einen netten Zufall, mein Vater war zufällig am Yachtclub Weiden und wurde sofort gefragt, ob er Kinder in Optialter hat. Eine Woche später saß ich in einem Opti Schnuppertraining das erste Mal im Boot. Ich hatte das Glück, dass mir viele Familien im Verein dann das Regattaleben nahegelegt haben und mich zu vielen Wochenenden mitgenommen haben. Mein damaliger Trainer Michael hat mir dann empfohlen einen Trainerschein zu machen, ab dann ging alles seinen Weg. Erst im Vereinsausschuss in Weiden und eines Abends klingelte das Handy und ich war auf einmal Kandidat als Vizepräsident Jugend.
Die Bayerische Segeljugend hatte mehrere Jahre keine eigene gewählte Führung. Jetzt gibt es mit dir sowie Marlene Neef und Moritz Aigner wieder ein Jugendteam. Warum ist es wichtig, dass Jugendliche im Verband nicht nur mitgedacht werden, sondern eine eigene Stimme haben?
Jugendliche gehören zu einer der wichtigsten Gruppen im Verband. Nur eine breite Jugend kann unseren Sport stärken und gleichzeitig Talente hervorbringen. Gleichzeitig haben Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen sehr spezifische Anforderungen. Deswegen ist es wichtig, dass der Jugendbereich eine eigene Stimme hat und durch ein Team koordiniert wird. Dadurch, dass die Jugend zum ersten mal einen fixen Sitz mit Stimmrecht im Vorstand hat sind viel kleinteiligere Projekte möglich und die Jugendlichen und Jugendvertreter haben wieder einen festen Ansprechpartner. Im unserem Team vereinen wir verschiedene Welten, Nord- und Südbayern, Breiten- und Leistungssport sodass wir die verschiedenen Perspektiven unserer bayerischen Jugendsegler abbilden.
Was bedeutet „die Stimme der Jugend“ eigentlich konkret? Wo unterscheiden sich die Themen und Erwartungen junger Seglerinnen und Segler möglicherweise von dem, was Erwachsene für wichtig halten?
Ich glaube nicht, dass es die eine Jugend gibt. Die Lebensrealitäten und auch Segelrealitäten sind sehr breit. Jugendliche sind dadurch, dass sie in der Regel kein eigenes Einkommen haben viel mehr auf Ehrenamtliche und generell auf Vereine und Verbände angewiesen. Jugendliche brauchen ein Angebot an Regatten, Ausbildung und Unterstützung, gleichzeitig ist es ein sehr sensibler Bereich, weil wir eben vor allem mit Minderjährigen arbeiten. Wir müssen es schaffen die Jugendlichen für den Sport zu begeistern, am besten so viel, dass Sie selbst in ihren Vereinen ehrenamtlich dinge für den Sport tun.
Du sitzt als Vizepräsident Jugend selbst im BSV Vorstand. Wie fühlt es sich an, dort die Perspektive der jungen Generation einzubringen – und wirst du auch gehört, wenn deine Sicht einmal unbequem ist?
Auf jeden Fall. Ich hatte nie einen Moment, in dem ich mich wie am Katzentisch gefühlt habe. Wir nehmen im Vorstand auch viel Rücksicht auf die Lebenssituation von jedem einzelnen, sei es Beruf, Studium, Familie usw. Im Hinblick auf die Jugend haben Christine und ich absolute Gestaltungsfreiheit und können unsere Projekte umsetzten.
Viele Kinder sind im Opti mit großer Begeisterung dabei. Später wird es schwieriger, Jugendliche im Segelsport und in den Vereinen zu halten. Wo gehen aus deiner Sicht junge Seglerinnen und Segler verloren?
Das hat mehrere Gründe, zum einen verlassen viele zum Schulabschluss ihre Heimat und somit auch die nähe zu ihren Vereinen oder zum Wasser. Das macht aktiven Segelsport schwieriger. Gleichzeitig ist Segeln leider ein teurer Sport. Oft haben die Vereine kaum Erwachsenenboote vor Ort die genutzt werden können, auch die Distanzen die auch in Jugendbootsklassen im Vergleich zum Opti sehr weit werden treiben glaube ich viele davon. Es muss aber auch in den Vereine Raum für Jugendliche geben, eine aktive Jugend darf nicht nur ein „nice to have“ sein sondern muss Teil der Vereinskultur sein und entsprechend gefördert werden.
Was muss ein Segelverein heute bieten, damit Jugendliche nicht nur zum Training kommen, sondern sagen: Das ist mein Verein, hier möchte ich bleiben und vielleicht irgendwann selbst Verantwortung übernehmen?
Wie gesagt, Vereine müssen Raum für Jugendliche bieten. Dann ist es auch möglich, dass sich Jugendliche mit ihrem Verein identifizieren und diesen Ort weiterentwickeln und erhalten können. Man muss die Jugendlichen langsam ans Ehrenamt heranführen, nicht sofort gleich mit der Lizenzausbildung drohen, sondern Schritt für Schritt z.B. Traingsverantwortung übertragen. Ehrenamt muss aber auch möglich gemacht werden, die Sitzungen müssen an Orten sein und zu Uhrzeiten stattfinden, die auch für jemanden unter 18 Jahren darstellbar sind. Aber nur wer Jugendlichen eine echte Möglichkeit bietet mitzubestimmen, das heißt auch über ein Budget zu bestimmen und ihren Jugendwart direkt zu wählen bietet, wird motivierte Ehrenamtler ernten.
Nicht jede oder jeder Jugendliche möchte Leistungssport betreiben. Wie schafft man Angebote für diejenigen, die gerne segeln, aber weder Kader noch große Regattakarriere im Blick haben?
Davon braucht es unbedingt mehr! Wir fokussieren uns dadurch, dass wir der Sport so viel von Regatten und Leistungssteigerung geprägt ist, sehr auf den Leistungssport. Dabei wird oft vergessen, dass die meisten Jugendlichen einfach gerne Segeln, ohne Leistungsdruck. Es braucht mehr Angebot an Breitensporttrainings deren Fokus auch auf dem Programm drum herum liegen. Unsere Maßnahmen finden an den schönsten Orten Bayerns und Europas statt, die Natur außerhalb des Wassers Nutzen wir aber leider selten. Wir müssen uns wieder mehr auf zamkommen konzentrieren. Dafür braucht es aber natürlich auch Ehrenamtliche und Boote mit denen das gemacht werden kann. Nur um mal zu segeln, kauft sich niemand ein Boot, Vereinsboote werden aber verständlicherweise meistens an die vergeben, die m meisten segeln, da fallen viele herunter.
Bayern besteht seglerisch nicht nur aus Starnberger See, Chiemsee und den großen südlichen Revieren. Du kommst selbst aus dem Yachtclub Weiden. Was brauchen kleinere oder weiter entfernte Vereine, damit ihre Jugendlichen dieselben Chancen und Möglichkeiten bekommen?
Ich glaube, dass es mehr Zusammenarbeit zwischen den Revieren braucht, auch wenn die Distanzen bei uns natürlich oft weit sind. Kleine Vereine in Regionen, in denen segeln zur absoluten Randsportart gehören, tun sich natürlich oft hart große Jugendgruppen zu bilden, deswegen braucht es auch mal den netten Trainer vom Ammersee der mal jemanden aus dem Norden mit zur Deutschen Meisterschaft sind weil dort im Verein vielleicht keine größere Gruppe zusammenkommt. Die größeren Reviere müssen ein Interesse daran haben den Segelsport auch im Norden und Westen zu stärken.
Ihr startet als neues Jugendteam praktisch neu. Was sind die ersten Themen, die ihr gemeinsam mit Marlene Neef und Moritz Aigner angehen wollt?
Der Neustart war etwas holprig, auch weil wir auf wenig Bestehendes zurückgreifen können. Es geht uns vor allem darum die Vereine besser zu vernetzen und die Reviere zu stärken, Bayern ist so groß, dass Jugendarbeit sehr regional stattfinden muss. Außerdem sollten auch die Jugendlichen zwischen den Klassen wieder mehr zusammenkommen. Deswegen findet 2027 auch wieder eine Bayerische Jugendwoche statt. Wir wollen auch das Ehrenamt stärken. Wir schaffen also mehr Möglichkeiten für Trainer bei denen sie entschädigt werden. Demnächst geht auch ein online Trainerpool an den Start, damit auch die Vereine Unterstützung für ihre Veranstaltungen finden können.
Wie wollt ihr herausfinden, was die Jugendlichen in den bayerischen Vereinen wirklich beschäftigt? Reicht ein Landesjugendsegeltreffen – oder braucht es ganz andere Wege, um miteinander ins Gespräch zu kommen?
Dadurch, dass wir alle auch eigene Jugendgruppen in den Vereinen haben, sind wir nah dran am Geschehen. Außerdem gibt es einen Regelmäßigen Austausch mit den Revieren und Klassenvereinigungen. Natürlich versuchen wir aber mehr Impulse zu sammeln. Besonders bei den Regionaltrainings wollen wir deswegen ein offenes Ohr haben. Ich glaube dass wir trotzdem neue Wege testen müssen um in einen besseren Austausch zu kommen.
Junge Menschen kommunizieren anders als viele klassische Vereins- und Verbandsstrukturen. Muss sich auch der BSV verändern, wenn er Jugendliche wirklich erreichen und beteiligen möchte?
Das glaube ich gar nicht unbedingt, denn niemand kommuniziert so wie Vereine und Verbände das tun. Der BSV und auch DSV sind Institutionen die allgemein weniger träge und verkopft werden und wirken müssen. Da sind wir glaube ich schon auf einem guten Weg, wichtig wäre es eine direkte Möglichkeit zu etablieren wie wir mit den Seglern kommunizieren können, dadurch erreicht man sie glaube ich besser als über weitergeleitete Mails.
Wenn wir uns in drei Jahren wieder unterhalten: Woran sollen junge Seglerinnen und Segler merken, dass die neue Jugendvertretung im BSV tatsächlich etwas verändert hat?
Vor allem an einem gestiegenen Angebot für die Seglerjugend und mehr Trainern in jedem Verein!
Kurz gefragt
Opti oder 420er – welches Boot hat dich stärker geprägt?
420er
Regattatag oder gemeinsamer Segeltörn?
Regattatag
Was macht einen richtig guten Jugendtrainer aus?
Jeden mitzunehmen und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen
Was nervt Jugendliche im Verein am meisten?
Fehlende Vereinsboote
Was sollten Erwachsene im Segelsport öfter einfach mal die Jugendlichen selbst entscheiden lassen?
Das Niveau auf dem sie Segeln wollen
Eine Sache, die jeder Segelverein für seine Jugend ausprobieren sollte?
Den Jugendwart durch die Jugendlichen wählen zu lassen
Was ist für dich ein richtig guter Tag auf dem Wasser?
Einer nachdem man sich um die Hälfte Leichter fühlt wenn man zurück an Land kommt
Und dein persönlicher Wunsch für die Bayerische Segeljugend?
Das das hier ein Neuanfang ist und ein Aufbruch. Hin zu einem offenen, jungen und bezahlbarem Sport, der uns einen Zugang zu Gemeinsamkeit gibt.
