
© Bayerischer Yacht-Club // Ludwig Photographics
65 Drachen, 196 Seglerinnen und Segler und eines der traditionsreichsten Segelreviere Bayerns: Der Starnberger See war Anfang Oktober Schauplatz der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Drachen. Der Bayerische Yacht-Club hatte für die viertägige Regatta ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Nur der Wind spielte nicht mit. Trotz mehrerer Startversuche kam lediglich eine gültige Wettfahrt zustande – zu wenig, um den Titel eines Internationalen Deutschen Meisters zu vergeben.
Die Regatta gewannen Dirk Neukirchen, Lars Hendriksen und George Leonchuk vor Andreas Hermann, Florian Ramsperger und Thomas Wenk. Auf Rang drei segelten Christian Knoll, Christian Oehler und Niki Helten vom gastgebenden Bayerischen Yacht-Club.
Zur offiziellen Eröffnung am Donnerstag war Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann nach Starnberg gekommen. In seinem Grußwort sprach er über sportliche Leistung, Vorbilder und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports.
Sein Besuch fiel in eine für den bayerischen Sport besondere Zeit: Nur wenige Tage zuvor, am 26. September, hatte der Deutsche Olympische Sportbund München zum deutschen Bewerber für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bestimmt. Damit geht die bayerische Landeshauptstadt nun ins internationale Bewerbungsverfahren. Als Austragungsort für die Segelwettbewerbe ist im Münchner Konzept Kiel vorgesehen.
Auf dem Starnberger See sollte zunächst jedoch eine andere große Meisterschaft im Mittelpunkt stehen. Mit 65 Booten war ein starkes Drachenfeld zusammengekommen, darunter zahlreiche ehemalige Deutsche Meister und international erfahrene Regattasegler.
Der Auftakt am Donnerstag machte zunächst Hoffnung. Bei fünf bis acht Knoten Westwind wurde die erste Wettfahrt gestartet. Doch die Bedingungen waren anspruchsvoll: Der Wind drehte, nahm zu, ließ wieder nach und stellte die Crews vor ständig neue taktische Entscheidungen.
Tanja Jacobsohn, Bernhard Jacobsohn und Florian Spalteholz erwischten den besten Start und führten zunächst das Feld an. Auf der zweiten Kreuz übernahm Dirk Neukirchen mit seiner Crew die Spitze und brachte den Vorsprung ins Ziel.
Es sollte die einzige gültige Wettfahrt bleiben.
Am Freitag zog zunächst eine Regenfront über den See. Anschließend reichten die wechselnden Windfelder nicht für einen Start. Am Samstag schickte Wettfahrtleiter Kai Schreiber die Flotte bei Nordostwind erneut hinaus. Tatsächlich wurde gesegelt. Die Boote hatten bereits die zweite Kreuz absolviert, als der Wind auf dem folgenden Vorwindkurs zusammenbrach. Die Wettfahrt musste abgebrochen werden.
Auch der frühe Versuch am Sonntag brachte keine Entscheidung. Zunächst lag dichter Nebel über dem See, später fehlte der Wind. Um 12.30 Uhr war die Meisterschaft beendet.
Während die sportlichen Möglichkeiten begrenzt blieben, hatte der gastgebende Bayerische Yacht-Club an Land einiges organisiert. Bereits vor dem ersten Start waren rund 160 Drachensegler gemeinsam auf dem Oktoberfest gewesen. Zur Eröffnung der Meisterschaft gehörten neben dem Besuch des Sportministers auch musikalische Beiträge. Nach der ersten Wettfahrt empfingen Blasmusik und Goaßlschnalzer die Crews.
Am Samstag versorgte die Clubgastronomie die Teilnehmer sogar auf dem Wasser: Nach dem abgebrochenen Rennen brachten Motorboote Ochsenbraten-Semmeln zu den Crews. Am Abend kamen rund 230 Gäste zum Gala-Dinner zusammen.
Dabei wurde auch die besondere Altersstruktur der Drachenklasse sichtbar. Die jüngsten Teilnehmer waren 15 Jahre alt, der älteste Segler über 80. Mitten im Feld: Familiencrews, erfahrene Regattasegler und ehemalige Olympiateilnehmer.
„In welcher anderen Klasse und in welcher anderen Sportart kann man das finden?“, fragte Ingo Ehrlicher, Deutscher Meister von 2022, der erstmals gemeinsam mit seinen Söhnen Anton und Joseph bei einer Drachen IDM antrat.
Am Sonntag versammelten sich die Crews schließlich bei Sonnenschein zur Siegerehrung vor dem Casino des Bayerischen Yacht-Clubs. Die Sieger der Regatta erhielten ihre Pokale. Der Titel des Internationalen Deutschen Meisters blieb in diesem Jahr unvergeben. Amtierende Meister bleiben Christoph Toepfer, Markus Koy und Michael Koch, die 2025 gewonnen hatten.
Mehr Infos bei: drachenklasse.de
