BSV-Aktuell

Die Segler am Ammersee, Chiemsee und Starnberger See leisten einen wichtigen Beitrag zum Vogel- und Naturschutz.

Von November bis Ende März werden auf der Grundlage einer freiwilligen Vereinbarung mit dem Umweltministerium der Ammersee, der Chiemsee und der Starnberger See von Seglern nicht genutzt, um im Sinne des Vogel- und Naturschutzes einen Beitrag zu leisten. Diese Vereinbarung ist einer von vielen Bausteinen im Kontext mit dem Ramsar-Abkommen, welches 2021 sein 50-jähriges Jubiläum verzeichnen konnte. Die drei großen Voralpenseen sind drei von neun Ramsar-Gebieten in Bayern.
Ramsar-Abkommen
Ramsar ist der Name einer iranischen Stadt am Kaspischen Meer. Dort wurde am 2. Februar 1971 erstmals eine internationale Vereinbarung zum Schutz eines Typus von Lebensräumen geschlossen: „Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“.  Es ist das erste globale Naturschutzabkommen, das sich nicht (nur) den Schutz einer einzelnen Art, sondern den Schutz eines bestimmten Lebensraum-Typus, eines bestimmten Ökosystems zum Ziel setzt. Damit wurde es zum Wegbereiter für das 1992 in Rio de Janeiro geschlossene "Übereinkommen zum Schutz der biologischen und genetischen Vielfalt", der "Biodiversität" unseres Planeten.
Quelle: Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e. V.

Im Winterhalbjahr rasten Zugvögel auf den Gewässern, einige Arten überwintern auch – eine Störung z.B. durch Wasserfahrzeuge führt zu Auffliegen und Flucht und mindert die dringend benötigten Energiereserven der Tiere. 

Die freiwillige Vereinbarung besteht mittlerweile erfolgreich seit 25 Jahren, positive Effekte auf die Anzahl der betroffenen Vögel, aber auch auf die Artenvielfalt wurden erfreulicherweise durch den Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV) beobachtet und bestätigt.
Die Gebietsbetreuerinnen und -betreuer kümmern sich jeweils um die großen Seenreviere.

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Die Ramsar-Gebietsbetreuer:innen: Dirk Alfermann vom Chiemsee (links), Jana Jokisch vom Ammersee (Mitte), Markus Meßner vom Ammersee (2. von rechts) und Andrea Gehrold vom Starnberger See (rechts). Foto: LBV

 

Sie kennen Ihre Gebiete und deren Besonderheiten ganz genau und können gerne kontaktiert werden. Ihre Gebiete - die großen, (meist) eisfreien Voralpenseen - sind für überwinternde Wasservögel lebenswichtige Rückzugsorte. Darum sind sie nicht nur als Ramsar-, sondern auch als europäische NATURA 2000-Vogelschutzgebiete ausgewiesen. Allein am Chiemsee, Starnberger See und Ammersee kommen insgesamt bis zu 70.000 überwinternde Zugvögel aus ganz Europa und Nordasien zusammen.
Der Starnberger See, der im Sommerhalbjahr zum Großteil (>90%) problemlos für Wassersportaktivitäten genutzt werden kann, beherbergt z. B. im Winter tausende Reiher- und Tafelenten. Sie sind v. a. auf flachere Seebereiche angewiesen, um nach Wasserpflanzen und Muscheln zu tauchen. Doch auch echte „Nordlichter“ wie die seltenen Pracht- und Sterntaucher profitieren von der Störungsarmut und können bei den großen Sichttiefen im Freiwasser nach Nahrung suchen.
Am Ammersee werden die Wasservögel bereits seit 1966 im Winterhalbjahr gezählt. Der See gehört damit zu den am längsten und lückenlosesten erfassten Gewässern seit Einführung der internationalen Wasservogelzählung. Sehr wichtige Ruhebereiche für die Vogelansammlungen am Ammersee sind die gesamte Südbucht sowie die Nord- und die Herrschinger Bucht. Hier finden die Vögel in den Flachwasserzonen Futter und Ruhe. Unter ihnen machen auch jedes Jahr bis zu 2.000 Kolbenenten Station, eine eher seltene Wasservogelart, die über die vergangenen Jahre aber immer weiter zugenommen hat.
Der Chiemsee ist der größte der bayerischen Voralpenseen, nicht ohne Grund wird er auch Bayerisches Meer genannt. Er hat ebenfalls eine herausragende Bedeutung als Brut, Rast- und Überwinterungsgebiet für die Vogelwelt und ist damit ein wahres „Drehkreuz des Vogelzuges“. So ist er beispielsweise für die Schellente eines der bedeutendsten Überwinterungsgebiete in Bayern. Jährlich überwintern hier über 1.000 Individuen der in Baumhöhlen brütenden Wasservogelart.

Diese einfachen Regeln unterstützen den Schutz der Natur, in der Seglerinnen und Segler ihren wunderbaren Outdoorsport betreiben:
  • Meiden Sie die mit Bojen markiert Naturschutzgebiete, Laichschonbezirke sowie Ruhezonen und halten Sie Abstand von Schilfgebieten und Kiesbänken (>100 m). Diese Bereiche sind die „Kinderstube“ unserer Gewässer.
  • -Beachten Sie die Winterruhe auf den Voralpenseen (Nov. - März) und halten Sie immer Abstand zu Vogelansammlungen (>300 m), um die störungsempfindlichen Zugvögel nicht aufzuschrecken. Wenn der erste Vogel flieht, fliegt oft der ganze Schwarm auf.
  • Informieren Sie sich vor Ihren Fahrten über die Befahrungsregeln auf Ihrer Route. Geben Sie Ihre Kenntnisse weiter und motivieren Sie durch eigenes vorbildliches Verhalten auch Jugendliche und andere Wassersportler, sich umweltbewusst zu verhalten.

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Wasservogelansammlung am Starnberger See (Foto: Gehrold)