
Seit dem diesjährigen Bayerischen Segeltag hat der Bayerische Segelverband nicht nur einen neuen Namen, sondern auch ein neu aufgestelltes Präsidium. In einer kleinen Serie stellen wir die neuen Köpfe vor: persönlich, direkt und mit Blick auf die Themen, die Vereine sowie Seglerinnen und Segler in Bayern bewegen.
Den Auftakt macht Präsident Bernd Hassenjürgen. Bernd war bereits Teil des Präsidiums und hat die Arbeit des Bayerischen Segelverbands in den vergangenen Jahren aus nächster Nähe mitgestaltet. Nun übernimmt er Verantwortung an der Spitze.
Viele in den bayerischen Vereinen kennen ihn bereits. Andere werden ihm in seiner neuen Rolle künftig häufiger begegnen. Zum Start unserer Präsidiums-Serie sprechen wir mit ihm über Segelbegeisterung, Verbandserfahrung, Verantwortung und darüber, was ihm für den Segelsport in Bayern besonders wichtig ist.
Bernd, viele kennen dich bereits aus der Verbandsarbeit. Andere lernen dich jetzt als neuen Präsidenten kennen. Was sollten sie über dich wissen?
Ich fände es gut, wenn ich die, die etwas über mich wissen möchten, auch persönlich kennenlerne. Das ist aber sicher nicht so einfach bei fast 30.000 Mitgliedern. Was ist wichtig für die neue Funktion: Ich bin jemand, der gerne im Team arbeitet und Dinge verbessern möchte und dabei auch die Verantwortung übernimmt. Ehrenamtliches Engagement sowie Gemeinschaft sind mir sehr wichtig. Beruflich habe ich viele Jahre Führungsverantwortung getragen und neben der Begeisterung für den Segelsport möchte ich diese Erfahrung nun mit ganzer Kraft im BSV einsetzen.
Wann geht dir beim Segeln das Herz auf?
Wenn ich junge Menschen für diesen schönen Sport begeistern kann und sie mit strahlenden Augen vom Wasser kommen, egal ob Training, Regatta oder Freizeitsegeln.
Was hat dich bewogen, jetzt Verantwortung als Präsident des Bayerischen Segelverbands zu übernehmen?
Ich bin überzeugt, dass der Segelsport in Bayern enormes Potenzial hat. Wir haben starke Vereine, engagierte Ehrenamtliche und talentierte Nachwuchsseglerinnen und -segler. Nachdem Sibylle Merk mit ihrem Engagement den Verband wieder vitalisiert hat, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Strukturen zu modernisieren, die Vereine noch stärker zu unterstützen und mit einem engagierten, erweiterten Vorstandsteam die Zukunft zu gestalten.
Welche Erfahrungen aus deinem Segel-, Vereins-, Berufs- oder Privatleben helfen dir in dieser neuen Aufgabe?
Zum einen meine langjährige Erfahrung in Führungs- und Veränderungsprozessen. Zum anderen meine praktische Vereinsarbeit im Münchener Ruder- und Segelverein „Bayern" von 1910 e.V., die mir gezeigt hat, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement ist. Privat helfen mir Gelassenheit, Ausdauer und der Fokus auf die wichtigen Dinge.
Du warst bereits im Präsidium aktiv und kennst die Verbandsarbeit aus der Innenperspektive. Was nimmst du aus dieser Zeit für deine Rolle als Präsident mit?
Ich habe gelernt, was im Verband bereits gut funktioniert – besonders im Leistungssport und auch das Engagement vieler Menschen in den Vereinen. Gleichzeitig habe ich gesehen, wo wir noch besser werden können, wo wir klarer kommunizieren, schneller entscheiden und näher an die Vereine rücken müssen. Diese Mischung aus Respekt vor dem, was bereits gut funktioniert, und dem Mut zum Anpacken und zur innovativen Weiterentwicklung ist mir wichtig.
Wenn du auf den Segelsport in Bayern schaust: Was läuft schon richtig gut? Und wo müssen wir ehrlicher hinschauen?
Sehr gut läuft bereits die hohe Qualität im Training und die Leidenschaft im Ehrenamt im Verband und in den Vereinen. Ehrlicher hinschauen müssen wir bei Themen wie der Verbesserung der Jugendarbeit im Verband – diese hat es in den letzten Jahren faktisch nicht gegeben – sowie der Reduzierung der Bürokratiebelastung, der Verbesserung der digitalen Infrastruktur und der Frage, wie wir Ehrenamt langfristig und vor allem für die jungen Menschen attraktiv halten.
Was möchtest du in deiner Amtszeit konkret anstoßen, das Seglerinnen, Segler und Vereine auch im Alltag spüren?
Mehr Präsenz des BSV in den Vereinen und bessere Erreichbarkeit und klare Ansprechpartner im Verband. Aber auch das Angebot von praxisnaher Aus- und Fortbildung sowie stärkere Unterstützung bei der Jugendförderung. Der Verband soll von den Mitgliedern als hilfreicher Partner wahrgenommen werden.
Viele Vereine stehen heute zwischen Ehrenamt, Nachwuchsarbeit, Kosten, Bürokratie und veränderten Freizeitgewohnheiten. Wo siehst du den dringendsten Handlungsbedarf?
Zuerst sehe ich die bessere Förderung des Ehrenamts als notwendig an. Ohne engagierte Menschen funktioniert kein Verein, und unsere Gesellschaft ist sehr stark auf ehrenamtlich engagierte Bürger angewiesen. Wer sich engagiert, braucht Unterstützung statt zusätzlicher Hürden und zusätzlicher Belastungen. Hier sehe ich die Sportverbände gefordert, die sich gemeinsam, auch auf politischer Ebene, für bessere Bedingungen im Ehrenamt einsetzen.
Was sollte im bayerischen Segelsport einfacher werden?
Alles, was Zeit bindet und nichts mit Segeln zu tun hat: unnötige Verwaltung, komplizierte Prozesse und schwer zugängliche Informationen. Wir müssen pragmatischer, digitaler und serviceorientierter werden.
Der Bayerische Segelverband hat sich neu aufgestellt. Was soll mit der neuen Präsidiumsstruktur besser gelingen als bisher?
Wie schon gesagt, mehr Präsenz bei unseren Mitgliedern, klarere Verantwortlichkeiten und schnellere Umsetzung in der Verbandsarbeit. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, und wir nutzen die Kompetenzen im Vorstandsteam, um Themen gezielter und mit mehr Fachkenntnis zu bearbeiten. Das neue Präsidium soll moderner, schlagkräftiger und näher an den Vereinen arbeiten.
Wie möchtest du den Kontakt zu den Vereinen gestalten – besonders auch zu denen, die im Verbandsalltag nicht immer sichtbar sind?
Wir wollen nicht warten, bis sich Mitglieder melden, sondern den Austausch suchen – vor Ort und in persönlichen Gesprächen und Kontakten. Aber auch durch die kontinuierliche Information der Mitglieder, was gerade im Verband passiert, zum Beispiel durch unseren Newsletter, die sozialen Medien oder die Website, die wir gerade inhaltlich aktualisieren. Das alles sind vor allem Anstöße, um den persönlichen Austausch zwischen Mitgliedern und Verband anzuregen und zu intensivieren.
Woran sollen die Vereine nach einem Jahr merken: Da bewegt sich wirklich etwas?
An schnelleren Antworten, verbesserten Angeboten, mehr Austausch und spürbarer Präsenz. Wenn Vereine sagen: „Der Verband hilft uns konkret weiter", dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Was möchtest du den Mitgliedern sagen, die sich fragen: Was hat das neue Präsidium mit meinem Segelalltag zu tun?
Sehr viel. Wenn Vereine stärker werden, Ehrenamtliche besser unterstützt werden, die Jugendarbeit gefördert wird, Trainer und Wettfahrtleitung besser ausgebildet werden und wir neue Angebote im Breitensport schaffen, verbessert das unmittelbar den Segelalltag vor Ort. Mein Anspruch ist, dass Verbandsarbeit nicht abstrakt bleibt, sondern bei den Mitgliedern ankommt.
Und jetzt noch - KURZ GEFRAGT
Dein Lieblingsrevier in Bayern? Der Starnberger See – seglerisch anspruchsvoll und landschaftlich einmalig und direkt vor der Haustür.
Regatta, Fahrtensegeln oder einfach raus aufs Wasser? Alles drei, wie es gerade passt.
Ein Segelmoment, den du nie vergisst? Da gibt es sehr viele. Aber jeder Sonnenaufgang nach einem Nachttörn gehört für mich immer zu den besonderen Momenten.
Ein Satz, den du im Ehrenamt nicht mehr hören kannst? „Das geht nicht." oder „Das haben wir schon immer so gemacht."
Was darf an einem guten Segeltag nie fehlen? Wind, Freude und gute Freunde an Bord.
Berge im Blick oder Starkwind auf dem See? Starkwind auf dem Meer.
