"Persönliche Begegnungen bringen Nähe!"

28.08.2026

Ein Interview mit BSV-Vizepräsident Dr. Helmut-Peter Müller über direkte Kommunikation, Vereinsnähe, persönliche Präsenz und den BSV als Service-Organisation.

In unserer Serie über das neu aufgestellte Präsidium des Bayerischen Segelverbands geht es weiter mit Dr. Helmut-Peter Müller. Als Vizepräsident ist er für die Kommunikation mit den Vereinen zuständig – und versteht diese Aufgabe vor allem persönlich: hingehen, zuhören, ansprechbar sein.

Vereinsjubiläen und Bayerische Meisterschaften nutzt Dr. Müller ganz bewusst, um den BSV vor Ort sichtbar zu machen und mit den Menschen in den Vereinen ins Gespräch zu kommen. Sieben Vereinsjubiläen hat er bereits persönlich besucht. Dahinter steht ein klares Ziel: Der Verband soll für seine Vereine wieder näher, offener und als konkreter Ansprechpartner erlebbar werden.

In seinem Bewerbungsbogen bezeichnete Müller den BSV als „Service-Organisation“ und forderte eine spürbar serviceorientierte Vereinsnähe. Wie das gelingen soll, warum persönliche Begegnungen für ihn dabei eine zentrale Rolle spielen und was er auf seinen Besuchen in den Vereinen hört, darüber sprechen wir mit ihm im Interview.


In der Segelszene kennt man dich als HP, viele sagen aber auch Helmut. Was ist dir lieber?

Der ganze Name ist den meisten zu lang. Daher hat sich HP von selbst verbreitet. In der Drachen-Klasse kennt man mich aber auch unter dem Namen „Zille“.

Bevor wir über dein Amt sprechen: Wo beginnt eigentlich deine eigene Segelgeschichte – und wie hat dich der Weg von der O-Jolle deines Onkels schließlich in die Verbandsarbeit geführt?

Das Segelvirus wurde mir, wie du erwähnt hast, von meinem Onkel Bruno verpasst. Nach der O-Jolle kam der Club-Pirat vom Hannoverschen Yacht-Club am Steinhuder Meer, einem größeren See bei Hannover, und später der Korsar.

Nach meinem Standortwechsel nach München erlernte ich im Münchner Yacht-Club und mit dem Wechsel in die Drachen-Klasse auch die Aufgaben eines Wettfahrtleiters. In der nachfolgenden Zeit wurde ich in den Vorstand des MYC gewählt, zunächst als Sportwart und später als stellvertretender Vorsitzender.

Mit der Wahl zum Reviersprecher für den Starnberger See wurde der Kontakt zum Verband immer intensiver und führte im März dieses Jahres zur Wahl in dieses Ehrenamt.

In deiner Vorstellung zur Wahl hast du bemerkenswert deutlich formuliert, dass die Verbandsarbeit des BSV für seine Mitglieder zuletzt „auffällig unbefriedigend“ gewesen sei. Was genau hat dir gefehlt – und was möchtest du heute anders machen?

Ein Verband ist eigentlich nichts anderes als ein Verein, nur dass die Mitglieder die Segelvereine sind. Ich möchte mich stärker um die Belange und Bedürfnisse der Mitglieder kümmern.

Du sagst, der BSV müsse wieder offener für die Vereine werden. Was bedeutet „offener“ für dich ganz konkret?

Alle Mitglieder im Vorstand sind niedrigschwelliger ansprechbar für eine positive Kommunikation.

Sieben Vereinsjubiläen hast du bereits persönlich besucht. Für dich sind das keine reinen Repräsentationstermine, sondern Gelegenheiten zu sagen: „Wir sind der BSV, wir sehen euch, wir schätzen euch – und wenn etwas ist, sprecht mich an.“ Was verändert sich im Verhältnis zwischen Verband und Verein, wenn man sich tatsächlich begegnet?

Wir reden miteinander, nicht übereinander.

Was hörst du auf diesen Besuchen? Gibt es Wünsche, Kritik oder Probleme, die dir inzwischen immer wieder begegnen?

Die Wünsche sind oft auch Anregungen und je nach Größe des Vereins unterschiedlich.

Zu deinem Ressort gehören auch die Bayerischen Meisterschaften der nichtolympischen Klassen. Was bedeutet es für dich, dort präsent zu sein – gerade auch bei Klassen und Vereinen, die vielleicht bislang weniger unmittelbaren Kontakt zum Verband hatten?

Kadersegeln ist nicht alles, auch wenn die Förderung der bayerischen Talente in Richtung internationaler Wettkämpfe oder gar Olympia eine sehr große Anstrengung bedeutet.

Du hast den BSV in deinem Bewerbungsbogen als „Service-Organisation“ bezeichnet. Was bedeutet das für dich ganz praktisch – was sollen Vereine vom BSV erwarten können?

Unterstützung bei Trainingsmaßnahmen und bei Anträgen auf Fördergelder, bei im Breitensport angesiedelten Aktivitäten wie zum Beispiel Inklusionsveranstaltungen sowie bei Versicherungsfragen rund um das Thema Vereinsarbeit.

Wenn du am Ende deiner Amtszeit einen Satz von den Vereinen über den BSV hören könntest – welcher sollte das sein?

Ja, es hat sich tatsächlich etwas verändert. Geht doch!

Dein erster Kontakt zum Segeln war die O-Jolle deines Onkels auf dem Steinhuder Meer, deine große Leidenschaft heute ist der Drachen. Was fasziniert dich nach all den Jahren noch immer am Segelsport?

Die Spannung und das Adrenalin beim Regattasegeln, die Entspannung beim „Kaffee-Segeln“ und die vielen neuen Erlebnisse beim Törnsegeln auf dem Meer.

Du zitierst deinen Onkel mit „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Passt dieser Satz auch ganz gut zu deiner Art, dieses Amt anzugehen – weniger Konzepte schreiben, mehr losfahren und machen?

Ja, ich bin eher der Pragmatiker als der Theoretiker.

Kurz gefragt

Ein Verein, bei dem du morgen gerne wieder vorbeischauen würdest?
Die außerordentlich herzliche Gastfreundschaft, die ich bei meinen Besuchen erleben durfte, lässt keine gezielte Auswahl zu.

Lieber Telefonat, Mail oder Gespräch auf der Clubterrasse?
Letzteres.

Was macht einen guten Gastgeber im Verein aus?
Empathie und aufmerksame Zugewandtheit.

Und was macht einen guten Verbandsgast aus?
Ein höfliches, freundliches Auftreten.

Eine Bootsklasse, in die du jederzeit wieder einsteigen würdest?
Korsar.

Was sollten Vereine über den BSV unbedingt wissen?
Hinter dem Begriff Bayerischer Segelverband stehen Menschen, die sich mit Hingabe ehrenamtlich engagieren.

Was sollte der BSV häufiger von seinen Vereinen hören?
Danke für eure Unterstützung.

Dein persönlicher Wunsch für den Segelsport in Bayern?
Ich wünsche mir, dass mehr junge und ältere Menschen die Magie der Fortbewegung durch Windenergie erleben können. Sie existiert in allen Leistungsstufen und mit allen Sportgeräten oder Yachten.

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