„Integrieren, nicht reglementieren“ - Das Wassersportforum 2020 des Bayerischen Seglerverbands

Im Gespräch bleiben, Vorbild sein und Zivilcourage zeigen – das ist das Rezept um den Natur- und Umweltschutz auf den bayerischen Gewässern weiter voranzubringen. Dies war das zentrale Ergebnis des Wassersportforums des Bayerischen Seglerverbands auf der Münchener Messe f.re.e. Hier kommen Politik, Behörden Naturschutzverbände und Wassersportler zusammen, um über das Miteinander auf den bayerischen Gewässern zu diskutieren.

München, 22. Februar 2020 – Das traditionelle Wassersportgespräch des Bayerischen Seglerverbands wurde in diesem Jahr erstmalig als breit angelegtes Wassersportforum im Rahmen der Münchener Publikumsmesse f.re.e abgehalten. Das Ziel blieb jedoch dasselbe: Den konstruktiven Dialog zwischen Wassersportlern, Politik, Behörden und Naturschützern aufrechtzuerhalten und weiterzuführen. Der Themenkreis des Wassersportforums umfasst das friedliche Miteinander und die Sicherheit auf den bayerischen Seen, Flüssen und Kanälen sowie den Natur- und Umweltschutz. Roman Roell vom Bayerischen Rundfunk moderierte das Wassersportforum.

 

In seiner Begrüßungsrede hob der Vorstand des Bayerischen Seglerverbands Dietmar Reeh die Bedeutung des Wassersportgesprächs hervor. In den vergangenen 25 Jahren sei es gelungen, stets miteinander im Gespräch zu bleiben und innovative Wege zu finden, wie etwa die Selbstverpflichtung zur Winterruhe auf den bayerischen Seen, die dem Vogelschutz dient. In Richtung des Freistaats Bayerin und des anwesenden Innen- und Sportministers Joachim Herrmann sagte Reeh: „Danke für die vorbildliche Unterstützung des Sports.“

Zukunftssignale aus Tokio

Das Grußwort sprach Tetsuya Kimura, Generalkonsul von Japan in München. Als Vertreter des Gastgeberlandes der Olympiade 2020 in Tokio machte er Lust auf die Spiele. Die Olympiade 1964 habe Japan transformiert. Von den im Juli beginnenden Tokyo 2020 Games sollen positive Signale an die gesamte Welt ausgehen. So sei beispielsweise für den Transport der Sportler eine Wasserstoff-Autoflotte vorgesehen. Kimura wünschte den deutschen Segelathleten viel Erfolg.

Die erste von zwei Podiumsdiskussionen befasste sich mit dem Thema Freizeittourismus im Zusammenspiel mit Breiten- und Leistungssport. Der Bayerische Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, Joachim Herrmann betonte, dass bei allen Olympischen Spielen seit 1964 auch Segler aus Bayern vertreten waren. Dass Bayern den Sport auch weiterhin breit fördere, zeigen unter anderem auch die über die letzten sechs Jahre mehr als verdoppelten Mittel, die der Freistaat in die Sportförderung investiere.

Zivilcourage statt Verordnungen

Der Präsident des Tourismusverbands Oberbayern, MdL Klaus Stöttner, griff das Grundthema des Wassersportforums auf: Miteinander reden statt hoheitlich zu regeln. An einigen wenigen Wochenenden im Sommer werde es eben eng an den bayerischen Gewässern. Damit man dennoch miteinander auskommt plädierte er für Zivilcourage im Umgang miteinander. „Es gibt immer einen Teil an Leuten, die sich nicht an die Regeln halten,“ sagte er. „Auf die müssen wir zugehen und sie ansprechen.“

Der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt Michael Griesser sah Uninformiertheit als einen der Hauptgründe, warum es zu Problemen im Dampferverkehr käme. „Wenn Schwimmer am Anlegesteg sind, muss ein Kapitän im Zweifelsfall einfach vorbeifahren,“ sagte er. Sein Umwelt-Credo: Alles, was man mitbringt, soll man idealerweise auch wieder mit nach Hause nehmen.

Einigkeit bestand darin, dass die gut organisierten traditionellen Wassersportarten wie Segeln und Rudern nur wenig Sicherheits- und Umweltprobleme verursachten. Die größten Verstöße sahen die Beteiligten bei neuen, noch weitgehend unorganisierten Sportarten wie dem Stand-Up-Paddling und Kitesurfen. Aus dem Publikum berichtete Stefan Schmidt vom Bayerischen Kanu-Verband, dass die Kanuten nun die Stand-Up-Paddler unter ihr Verbandsdach genommen haben.

Modellfall Starnberger See

Die zweite Podiumsdiskussion widmete sich dem Thema Natur-, Umwelt- und Klimaschutz an den bayerischen Gewässern mit Schwerpunkt nachhaltiger Wassersport.

Tobias Rau stellte Viva con Agua vor, ein internationales Netzwerk von Menschen und Organisationen, das sich für den sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung einsetzt. Er empfahl: „Umwelt-Empfehlungen dürfen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen.“ Seine eigene Umwelt-Empfehlung lautete übrigens: Leitungswasser trinken, wiederauffüllbare Flaschen verwenden und Plastik vermeiden.

Peter Werner, Leiter der Wasserschutzpolizei-Zentralstelle Bayern, betonte dass die Polizei lieber vorbeuge als einzuschreiten. Der Begriff Wasserschutz sei nicht nur Name sondern auch Programm. „Der Wasserschutz liegt uns am Herzen“ sagte er. Daher sei er froh, dass es nur selten zu größeren Verstößen kommt. Typisch sei etwa das unerlaubte Befahren von Schilfzonen oder das Reinigen von Pinseln im See. Kraftstoff-Leckagen von Booten seien zum Glück eher selten.

Vogelschützerin und Ornithologin Andrea Gehrold sprach vom Starnberger See als einem Modell, das Vorbildcharakter habe. Denn der See sei sowohl ein stark frequentiertes Naherholungs- und Tourismusgebiet als auch ein europaweit bedeutender Vogelrastplatz – das Miteinander zwischen Freizeitnutzung und Vogelschutz funktioniere. Ihre Umwelt-Empfehlung für Wassersportler: Vogelansammlungen mit mehr als 300 Meter Abstand umfahren, Distanz zu Schilfgebieten wahren.

Segeln heißt Verantwortung tragen

Steffen Häbich, Leiter der ADAC Wassertouristik und Sportschifffahrt, sagte dass Wassersportler überdurchschnittlich verantwortungsvoll seien. Das liege an der Sportart. Daher sei es wichtig, junge Menschen an den Sport herangeführt werden, der ihnen wichtige Tugenden vermittle. Er begrüßte die Fortschritte, die das Umweltbewusstsein und der Umweltschutz in den letzten 20 Jahren gemacht hätten. Ein Beispiel, an dem auch er selbst beteiligt sei, sei die Bundesinitiative „Blaues Band“, die sich der Renaturierung von Auenlandschaften annimmt.

Jürgen Jentsch, Obmann Politik und Nachhaltigkeit beim Bayerischen Seglerverband, berichtete, dass der Altersdurchschnitt der Segler inzwischen bei 50 bis 55 Jahren liege. Das dauerhafte Engagement, das der Wassersport erfordere, sei in einer immer schnelllebigeren Gesellschaft für viele nicht mehr attraktiv. Das hätten die Vereine erkannt und setzten bereits geeignete Maßnahmen um.

Die Diskutanten waren sich einig, dass das Verbreiten von Umwelt-Botschaften wie auch das Werben von Nachwuchs für den Wassersport zunehmend über die sozialen Medien erfolgen muss. Dies sei jedoch durch ältere ehrenamtliche Mitarbeiter, wie sie in Sportvereinen vorherrschen, nicht zu leisten. Idealerweise müssten hierfür Spitzensportler und Vereinsjugend gewonnen und professionell unterstützt werden.

Einigkeit herrschte zudem darüber, die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Wassersport auch in Zukunft fortzuführen. Der Vorsitzende des Bayerischen Seglerverbands und Organisator des Forums Dietmar Reeh schloss mit den Worten „Wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn wir laufend im Gespräch bleiben, können wir auch künftig die Interessen aller Beteiligten integrieren, statt reglementieren zu müssen.“


 

 

Acht Umwelt-Empfehlungen für Wassersportler der Referenten beim Wassersportforum 2020 des Bayerischen Seglerverbands

1.    Halten Sie mindestens 300 Meter Abstand zu Vogel-Ansammlungen 

Mausernde, rastende und überwinternde Wasservögel brauchen Ruhe und sollten nicht aufgescheucht werden; sie verbrauchen sonst wichtige Kraftreserven


2.    Halten Sie Abstand zu Schilf- und Schutzgebieten 

Bewachsene Ufer- und Flachwasserzonen sind für viele Tiere ein optimaler Lebensraum; vor allem Schilf bietet Versteck, Nahrung und ungestörte Brutplätze


3.    Nehmen Sie wieder mit, was Sie an Bord oder ans Ufer bringen 

Entsorgen Sie Ihre Abfälle zuhause oder in einem öffentlichen Abfall-Behälter; seien Sie sich nicht zu schade, auch einmal Müll Anderer aus dem Wasser zu fischen


4.    Vermeiden Sie Plastik 

Verwenden sie wiederauffüllbare Flaschen, vermeiden Sie Plastikverpackungen; der häufigste Müll am Ufer sind „Partyreste“ wie leere Flaschen und Snack-Verpackungen


5.    Steigen Sie auf Leitungswasser um 

Leitungswasser ist in den meisten Gemeinden ebenso gut wie Mineralwasser, das oft über Hunderte von Kilometern per LKW gefahren wird


6.    Achtung beim Umgang mit Benzin! 

Beim Betreiben von Motorbooten geht es um jeden Benzintropfen; ein Tropfen Kraftstoff kann bis zu 1000 Liter Trinkwasser verseuchen


7.    Vor dem Bootstransport: Reinigen und Auspumpen 

Ziel ist, eventuell anhaftende Pflanzen, Kleintiere oder Gelege zu beseitigen. So vermeiden Sie, invasive Arten einzuschleppen, die das heimische Ökosystem bedrohen


8.    Spritzen Sie Ihr Boot vor dem Wassern ab 

Vor dem Wassern sollten sie Ihr Boot von Straßenschmutz reinigen – aber nur dort wo das Schmutzwasser auch in die Kanalisation fließt


vlnr: Hr. Pfeiffer, Hr. Roell, Hr. Stoettner, Hr. Herrmann, Hr. Grieser, Hr. Reeh, Hr. Kimura
Tetsuya Kimura, Generalkonsul von Japan in München
Hr. Achtelstetter, Hr. Roeske, Hr. Werner


Innenminister Joachim Herrmann

 

Dietmar Reeh, Vorsitzender Bayerischer Seglerverband

 

Hr. Stöttner, Hr Götzl

 

Hr. Stoettner, Hr. Reeh
Tetsuya Kimura

 

Jürgen Jentsch, Siegfried Merk