Sterne des Südens

Die Yacht-Clubs aus dem Fünfseenland sahnen bei der Meisterehrung des Bayerischen Seglerverbands kräftig ab - Ein Artikel von Christian Heinrich

Dietmar Reeh hielt es nicht mehr länger im großen Saal des Wolf-Ferrari-Hauses von Ottobrunn aus. „Jetzt wird gefeiert“, forderte der Vorsitzende des Bayerischen Seglerverbandes alle Preisträger am Ende der Huldigungen auf, ordentlich auf die zahlreichen Erfolge des vergangenen Jahres anzustoßen. Dass die Liste der Ausgezeichneten und Geehrten aus dem Freistaat nicht enden wollte, war auch ein Verdienst der vereinigten Flotte aus dem Fünfseenland. Erste, zweite und dritte Plätze bei nationalen und internationalen Meisterschaften fuhren die Segler zuhauf ein. Reeh und sein Vize Timo Haß hatten daher alle Hände voll zu tun, bis sie die silbernen und goldenen Ehrennadeln des BSV an den Mann beziehungsweise die Frau brachten.
„Die langjährige und beständige Jugendarbeit in unseren Clubs trägt nachhaltig Früchte“, lobte Reeh die Vereine für ihr fortwährendes Engagement im Nachwuchsbereich. Wer sich dahinter konkret verbirgt, verriet Lina Plettner vom Bayerischen Yacht-Club. „Einerseits haben wir den Ilja“, offenbarte die Vorschoterin von Sophie Steinlein, dass der Gewinn der Internationalen Deutschen Meisterschaft im 420er ohne die leidenschaftliche Unterstützung von Clubmanager und Trainer Ilja Wolf sicherlich nicht möglich gewesen wäre.
Die Leistungsgruppe, die Wolf am Starnberger Nepomukweg aufgebaut hat, sahnte auch beim Meisterball kräftig ab. Aber nicht nur Wolfs aktuelle Pennäler Felix Kaiser und Jonas Royla oder Kristian Lenkmann und Philip Hall durften sich eine Ehrennadel ans Revers heften lassen, auch seine ehemaligen Schüler waren wieder außerordentlich erfolgreich. Das Bundesliga-Team des BYC ließ sich genauso abfeiern wie Philipp Autenrieth, der im nächsten Jahr die deutschen Farben im 470er bei den Olympischen Spielen von Tokio vertreten möchte. Der Bundesliga-Segler Leopold Lindner war dann auch mächtig stolz, „sich als Bayerischer Yacht-Club zeigen zu können. Schließlich sind wir der erfolgreichste Club“.
Das Treffen von Bayerns Besten zeigte aber auch, dass im Süden von München noch weitere Hotspots entstanden sind, wo Leistungssport gedeihen kann. Die Sailing Academy des Münchner Yacht-Clubs leistete zum Titelgewinn von Manuel und Fabian Wunderle im F18 einen wichtigen Beitrag. Die beiden Segler waren die Pioniere und erste Aushängeschilder des Clubs im 29er, der sich inzwischen am Starnberger See und Ammersee ein vergleichbares Renommee verschafft hat wie der 420er. Laila Möbius sowie Jonas Schupp und Moritz Hagenmeyer vom Herrschinger beziehungsweise Diessner Segelclub haben genauso wie Elena Krupp (MYC) und Clara Borlinghaus (Segler-Verein Wörthsee) dafür gesorgt, dass die Dominanz der norddeutschen Segler gebrochen wurde.
Die Erfolge der Jungen lassen hoffen für die Zukunft, zumal sich mit Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger vom BYC schon ein weiteres Team im 49er für Olympia in Stellung bringt. Doch die nächste Generation zeichnet sich durch einen geschliffenen Realitätssinn aus und weniger durch stürmische Euphorie. „Wir machen erst mal Schule“, wollte Plettner vom olympischen Gedanken erst einmal nichts wissen. Teuer wird eine Kampagne ohnehin genug. Der BSV, der seine Athleten aus dem Olympia-Kader mit ungefähr 30 000 Euro im Jahr unterstützt, leistet hier nur einen Tropfen auf dem heißen Stein.
Auch wenn dem Verband üppige finanzielle Mittel fehlen, die Verbundenheit zwischen ihm und seinen Seglern ist groß. Philipp Buhl ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, persönlich in Ottobrunn zu erscheinen. Der deutsche Paradeskipper im Laser, der im vergangenen Jahr wieder gewaltig absahnte, hatte schlechte Nachrichten im Gepäck. Sein 32. Rang beim Weltcup von Miami war die schwächste Ausbeute seit einem Jahrzehnt. „Es geht halt nicht immer bergauf“, ermahnte sich der Immenstädter zu einer gewissen Bescheidenheit. Insofern lag Dietmar Reeh mit seinem Aufruf zum Feiern goldrichtig. Also ein berechtigtes Hoch auf alle Titel und Erfolge. Wer weiß schon, was die kommende Saison alles bringen wird.