Wassersportgespräch 2018

Auf der Messe f.re.e in München diskutierten rund 40 Experten und Sachverständige aus Behörden, Politik und Verbänden beim jährlichen Wassersportgespräch des Bayerischen Seglerverbandes e.V. wichtige Sicherheits- und Umweltschutz-Themen.

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Gedacht wurde auch dem verstorbenen Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Seglerverbandes Günter Bornemann, der die freiwillige Vereinbarung Wassersport/Naturschutz vor mehr als 20 Jahren ausgehandelt hatte.

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In seiner Begrüßung bedankte sich der Gastgeber und 1. Vorsitzende des Bayerischen Seglerverbandes, Joerg von Hoermann bei allen Anwesenden und besonders bei der langjährigen Moderatorin des Events, Gabi Toepsch. Außerdem erinnerte er an die besonderen Verdienste von Günter Bornemann. 

In seinen Grußworten stellte Georg Moller (Messe München) weitere Messehallen (im Bau) und auch mehr Boote bei der nächsten Messe f.re.e in Aussicht. DSC03691cns moller

Peter Werner (Wasserschutzpolizei Bayern) sprach von einer eher ruhigen Saison 2017 obwohl es in bayerischen Gewässern mehr Badeunfälle (33) als im Vorjahr gegeben hatte. Auf dem Walchensee starb ein Fischer und im Starnberger See gab es einen Tauchunfall mit Todesfolge. Der Taucher war alleine unterwegs und der Unfall auf technisches Versagen zurückzuführen. Ein Surfer war auf dem Ammersee in Seenot geraten, konnte jedoch gerettet werden, da er sein Handy mit dabei hatte.

DSC03694cns wernerHochwertige elektronische Geräte, zum Beispiel zur Navigation, sind beliebtes Diebesgut und sollten besser nicht in den leicht zugänglichen Häfen gelagert werden. Die Zahl der Bootsdiebstähle habe dafür abgenommen. In diesem Zusammenhang erinnerte Werner auch an die Gravieraktionen der Polizei, was besonders für Außenbordmotoren interessant sei. Insgesamt sei man mit dem Verhalten der Wassersportler zufrieden. Lediglich die optischen Sturmwarnungen sollten, vor allem von Touristen, besser beachtet und ernster genommen werden.

DSC03697cns achtelstetterAm ganzen Bodensee hat die Zahl der Unfälle im Jahr 2017 (insgesamt) von 179 auf 229 zugenommen, so Klaus Achtelstetter von der Polizeidirektion in Lindau (Bild rechts). Dabei waren leider neun Todesfälle zu beklagen. In einem Freibad fand ein Kind eine alte US-Handgranate, was zur Räumung der Anlage und später zum Einsatz von Polizeitauchern führte. Ein gemietetes Motorboot wurde von einer Autofähre gerammt – ein Vater hatte seinen minderjährigen Sohn vor der Kollision ans Steuer des Motorbootes gelassen.  

DSC03715cns timo hassTimo Haß, ebenfalls Jugend-Obmann beim DSV, ging in seinem ersten Vortrag (PDF) auf das aktuelle Thema Nichtschwimmer in Bayern ein. Dazu zeigte er einen erst wenige Tage alten Bericht des Bayerischen Fernsehens. Fazit: Immer mehr Grundschüler können nicht schwimmen. Grundsätzlich bieten alle Wassersportverbände in Bayern regelmäßig Trainings an.

Bei Jugendregatten wird von den Eltern teilweise die Bestätigung verlangt, ob ihr Kind 15 Minuten lang schwimmen kann. Es sei die Frage, welches Schwimmabzeichen gefordert sei - für mehr Sicherheit ist das Jugendschwimmabzeichen in Bronze das Minimum. Dazu Barbara Liegl vom Bayerischen Schwimmverband: „Über Wasser halten, ist nicht gleich Schwimmfähigkeit.“ Klare Worte dazu von Timo Hass: „Wir wollen den Wassersport insgesamt sicherer machen.“

DSC03710cns roeskeIngo Röske (Bayer. Wasserwacht) sprach im Zusammenhang mit dem bekannten Abzeichen „Seepferdchen“ eher von „Schwimmgewöhnung“; das sei jedoch nicht ausreichend. Röske fordert, dass jede/r die Grundschule mit dem Schwimmabzeichen in Bronze verlässt. Eine deutliche Steigerung wäre das Deutsche Rettungsschwimm-abzeichen (ab 18 Jahren), für das man allerdings 96 Unterrichtseinheiten absolvieren müsse. In Bayern kommen dazu noch 40 Unterrichtsstunden für die Rettung im Fließwasser (v.a. im Gebirge). Moderne Methoden machen den früher nicht seltenen „Bergungstod“ heute unwahrscheinlicher.

Link zur Präsentation (PDF).

Dann stellte Timo Haß einen Maßnahmenkatalog (PDF) für mehr Sicherheit beim Wassersport vor. Künftig sollte die Vorlage des Schwimmabzeichen in Bronze, bei Minderjährigen eine entsprechende Bestätigung gefordert werden. Man müsse generell persönliche Auftriebs-/Rettungsmittel vorschreiben; minderjährige Trainer dürften nur dann Wasserarbeit leisten, wenn ein volljähriger Trainer oder eine geeignete Person mit Rettungsausbildung anwesend ist. Bei der anschließenden Diskussion erinnerte ein ausgebildeter Rettungsschwimmer, dass für ausdauerndes Schwimmen auch eine gesunde Kondition vorhanden sein müsse. Was die Unfälle mit gemieteten Booten betrifft, seien die die Bootsverleihe insgesamt nicht die schwarzen Schafe. Und im Zusammenhang mit Sturmwarnungen seien natürlich auch die jeweiligen  Revierkenntnisse, die Touristen meist nicht hätten, entscheidend.

DSC03721cns die reehDietmar Reeh (DTYC), der auch für die Nachfolge von Joerg von Hoermann kandidiert, stellte in einer weiteren Präsentation die Zusammenarbeit der Wassersportverbände vor. Auch diese finden Sie hier in einem PDF. Dazu gehören die Formulierung gemeinsamer Ziele und ein verbesserter gegenseitiger Informationsaustausch. Kooperationen sind sehr wichtig, u.a. mit dem BLSV und dem DOSB als Dachverbänden, sowie die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung und mit den Umweltschutzorganisationen. Entscheidend sei auch „eine frühzeitige Einbindung in die politische Willensbildung“. Reeh regte regelmäßige Gesprächstermine und Gedankenaustausch, die Ermittlung und Priorisierung gemeinsamer Interessen und Themen sowie fallweise ein abgestimmtes Vorgehen an.

Timo Haß widmete sich dem Thema „Junges Ehrenamt im Sport“. Jugendliche können ab dem Alter von 14 Jahren die Ausbildung zum Trainerassistenten und ab 16 Jahren die Ausbildung zum Trainer C Breitensport absolvieren. Viele  Vereine sind darauf angewiesen, dass diese Jugendlichen als Trainer aktiv sind, da ihr Einsatz oft mit dem Abitur, spätestens mit Studienbeginn endet. Jedoch die Bayerische Schifffahrtsordnung ist ein Hindernis bei der Ausbildung – sie schreibt die Volljährigkeit für die Bedienung motorisierter Fahrzeuge vor. Eine mögliche Lösung wäre die Aufnahme einer Ausnahmeregelung in die BaySchO.

DSC03729cnsq guckelsbergerHorst Guckelsberger (LBV Bayern, Starnberg) lobte die bayerischen Segler und würdigte insbesondere die persönlichen Verdienste des kürzlich verstorbenen ehemaligen BSV-Vorsitzenden, Günter Bornemann. Seinem Engagement sei die freiwillige Vereinbarung Wassersport/ Naturschutz, die er damals initiiert hatte, zu verdanken.

Lorenz Sanktjohanser vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit  schloss sich diesem Dank an. Er hatte das Wassersportgespräch des Bayerischen Seglerverbandes von der ersten Ausgabe an besucht.

Nach knapp zweieinhalb Stunden bedankten sich Moderatorin Gabi Toepsch (ehem. BR) und Joerg von Hoermann bei allen Beteiligten für die Aufmerksamkeit und für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen 14 Jahren – beide haben das jährliche Event in diesem Jahr zum letzten Mal moderiert. (cn)